Parlamonische Stadtgeschichte
Die parlamonische Stadtgeschichte beginnt mit den Anfängen des wehseländischen Königreichs. Ihre Lage erschwerte den Stadtbau anfangs sehr, eröffnete später jedoch ungeahnte Reichtümer durch den Fernhandel über die Wehseländische Bucht.
Gründung
Parlamon wurde zum Ende der großen Wanderung gegründet. Nur einen Tag nach Ausrufung des Königreichs Wehseland, am 18. Brachmond 0 GW , gründeten die vier Herzoge Theodor von Bärenberg, Kamilla von Biberbach, Beorn von Schwartzhofen und Kunbiert von Hohenstein Parlamon, wo einen Tag später Kunibert zum König des Wehselandes bestimmt wurde.
Mit der Grundsteinlegung für den Thinghof wurde zeremoniell der Bau der Hauptstadt begonnen. Bereits einen Tag später fand hier die Krönung Kuniberts zum wehseländischen König statt. Abseits des Grundsteins waren zu diesem Zeitpunkt bloße Hütten und Zelte vorhanden. Der Großteil der Bauarbeiter und -arbeiterinnen befand sich in den Herzogtümern, was den Stadtbau verlangsamte.
Statt einer groß angelegten Bauoffensive hielten die Diskussionen an. Der wehseländische Klerus war in ein klerikales Thing vertieft, um seine interne Strukturen zu klären und auf die neue Situation anzupassen. Auch andere Gruppen, darunter einige Baumeister und -meisterinnen befanden sich in andauernden Unterredungen.
Auch wenn die Anzahl der Wesen in Parlamon nicht groß war, benötigten die Leute Unterkunft, Lebensmittel und Schutz vor Wildtieren wie Überfällen. Weil die Beratungen der Elite anhielten, begann das einfache Volk mit dem Bau simpler Behausungen. Sie legten die ersten Fischerhütten an, konstruierten Boote für den Fischfang und entlasteten damit die Herzogtümer, die bis dahin die einzige Lebensmittelversorgung dargestellt hatten.
Außerdem wurde in diesem frühen Stadium des Stadtbaus bereits begonnen, Ackerland in einigem Abstand zum Fluss zu erschließen, die vorhandenen Obstbäume zu kultivieren und Baufläche zu schaffen. Es entstanden rings um die Thingstelle, die sich auf einem Hügel nahe des Parla Montis befand, eine Vielzahl von Siedlungen, die später ins Stadtgebiet übergeben würden.
Spätestens im Winter waren die Fürsten und Fürstinnen sehr froh um den eigensinnigen Einsatz ihrer Volksleute, den sie im Hochsommer noch als voreilig und verfrüht bezeichnet hatten. Vor allem diejenigen Adligen, die es nicht vor Wintereinbruch aus der Hauptstadt geschafft hatten, honorierten, dass sie in den einfachen Behausungen Unterschlupf fanden. Ein kleiner Teil von ihnen beschloss, sich dauerhaft in die Stadtgemeinschaft einzubringen und das eigene Vermögen mit in den Aufbau Parlamons zu stecken.
Baubeginn
Mit dem Frühjahr des ersten Jahrs nach der großen Wanderung begannen die Baumeister und -meisterinnen, die sich bisher planerisch zurückgehalten hatten, ihre Vision zu teilen. Sie verwiesen auf geeignete Orte und schlugen vor, ihre Pläne entlang der Ortschaften umzusetzen, die die Bevölkerung intuitiv gewählt hatte. Mit dem besseren Baumaterial und der dazugewonnen Expertise wurden die Fischerdörfer und kleinen Siedlungen ausgebaut und befestigt. Windschiefe Holzhütten wischen steinernen Gebäuden. Die Orte abseits des Flusses wurden mit Palisaden und teils mit ersten Wachtürmen versehen, während am Fluss vor allem Zugbrücken die bewohnten Deltainseln sicherten. Außerdem wurde der Grundstein für das Haus der Götter gelegt und die Thingstelle wurde weiter befestigt.
In den Folgejahren blühten die kleinen Dörfer und Städte auf. Insbesondere auf den Inseln im Fiendrel wuchsen die kleinen Siedlungen zu einem gemeinsamen Stadtgebiet heran. Insbesondere die Fischer und Fischerinnen der ersten Stunde wurden zu renommierten Autoritäten innerhalb der frühen Stadtgeschichte. Mit der wachsenden Bevölkerung kam es zum Anwachsen von Gewerbe und dem Aufbau erster Zünfte. Für den Fall eines Angriffs wurden Milizen ausgebildet.
Ab 10 nGW sind auf dem parlamonischen Gebiet große Wasser- und Windmühlen nachweisbar. Auch erste Befestigungen entstehen entlang des Fiendrel. Es kommt darüber hinaus zu ersten Streitigkeiten über den Grenzverlauf mit Silberstein, was zu den parlamonischen Grenzfehden führt, in deren Verlauf es zum gegenseitigen Diebstahl von Viehbeständen und der Zerstörung einzelner Güter kommt. Erst durch Hans von Wehselands Eingreifen, der gleichzeitig König des Wehselandes und Herzog von Silberstein ist, werden die Konflikte vorläufig geklärt.
Der weitere Ausbau der Stadt bringt die Professionalisierung der Milizen mit sich. Statt weiter auf ein großes Heer von Bauern und Bäuerinnen und Fischern und Fischerinnen zu setzen, wirbt Parlamon in den Lehensgebieten östlich und westlich des Fiendrels um den Einsatz für die Hauptstadt. Es findet sich eine Hand voll Ritter und Ritterinnen, die bereit sind, die Ausbildung besserer Streitkräfte in die eigene Hand zu nehmen.
Parallel wird im Golf von Parlamon der Ausbau eines ordentlichen Fernhandelhafens vorangetrieben. Vor allem Händler und Händlerinnen aus Blômetal und Silberstein unterstützen den Aufbau des Hafens. Entlang der Landzunge werden gleichzeitig Häfen für die kleinen Galeeren gebaut, mit denen die parlamonische Marine einerseits gegen Piraterie und Überfälle vorgeht, andererseits und vor allem auch Rettungsfahrten unternimmt, wenn unerwartete Stürme die Fischer und Fischerinnen bedrohen.
Auch die silbersteiner Metallindustrie wurde etwa ab 20 nGW in Parlamon sesshaft. In dieser Zeit überträgt auch der König den Bewohnern und Bewohnerinnen von Parlamon das Münzrecht, was dazu führt, dass Parlamon fortan eigene Kupfermünzen und anfangs auch Silbermünzen prägt. Dieses Privileg verschafft der Hauptstadt abermals einen erheblichen Schub in Bekanntheit und Attraktivität.
Im Laufe der Zwanzigerjahre wächst die Bedeutung Parlamons als innerwehseländische Handelsmetropole. Tierfelle aus Klingenfurth werden gegen Kunst aus Blômetal getauscht, silbersteiner Metallrüstungen gegen aldenburger Steingut und vieles mehr. Das führt dazu, dass der Platz für Häuser und Handwerksbetriebe auf den Inseln erstmals knapp wird.
Zusammenwuchs zu einer Stadt
Im Jahre 31 nGW wurden erstmals Gebiete östlich und westlich der bebauten Flussinseln in den Kern der Stadt integriert. Die Leute sprachen sich ab in der Nutzung der Mühlen, im Ausbau der Zunftgewerbe, bei der Verteidigung und im Landbesitz. Wenn es adlige Landbesitzer oder -besitzerinnen gab, wurden sie bei der Integration in die Stadt einbezogen. Zwei Jahre später begann der Bau der parlamonischen Stadtmauern, die erstmals die Landgebiete vor mehr als Wildübergriffen schützen sollten. Die Parlamonische Reiterei wird begann zudem, die Aufgaben als Kuriere und Kurierinnen aber auch als Aufrechterhaltung von Recht und Gesetz wahrzunehmen. Außerdem wurden die Import- und Exportzölle erhöht, um den Ausbau der Stadt zu finanzieren.
In dieser Zeit wurden reiche Bürger und Bürgerinnen sowie der Landadel aus den umliegenden Gebieten mit der politischen Situation unzufrieden. Regelmäßig mussten sie Steuern an den König zahlen und ihre Bauern und Bäuerinnen als Wehrfähige entsenden, ohne über deren Verwendung Einfluss zu haben. Während in den Herzogtümern oftmals bei Hoftagen die Zustimmung der Adligen eingeholt wurde, wurde das Patriziat der Stadt Parlamon übergangen, nicht zuletzt, weil der König auch Herzog von Silberstein war und sich um das größere Gebiet intensiver zu kümmern pflegte.
Außerdem keimten die Grenzkonflikte mit Silberstein wieder auf, als mit Heribert von Blômetal erstmals ein nicht-silbersteiner Adliger König des Wehselandes wurde. Durch Vermittlungen des Herzogs von Silberstein konnten diese jedoch bald beigelegt werden.
Ab den Vierzigern begann der Handel auf dem Landweg neben dem Seehandel an Zulauf zu gewinnen. Innerhalb des Wehselandes hatte sich ein Straßennetz aufgebaut, das nicht länger nur die Zentren de jeweiligen Herzogtümer mit den entlegeneren Orten verband, sondern auch Wege nach Parlamon aufrechterhielt. Außerdem kamen erstmals mehr fremde Schiffe aus anderen Ländern in den größten Hafen des Wehselands als Schiffe das Wehseland verließen. Nach einem verheerenden Raubzug über See ließ die Marine erstmals drei reine Kriegsschiffe konstruieren und bauen, die fortan den Fernhandelhafen schützten.
Auch das kulturelle Leben begann sich in größerem Maße auszubilden. Neben einer Vielzahl von kleineren Tempelanlagen wurde 51 nGW auch das Innere des Hauses der Götter betretbar. Darüber hinaus bildeten sich die Höfe einiger wohlhabender Familie zu Orten für Zusammenkünfte heraus, an denen fahrende Sänger und Sängerinnen auftreten. Es wurde Wissen in verschiedenen Bibliotheken zusammengetragen und viele Tempelschulen und Schulen reicher Bürger und Bürgerinnen boten mehr und mehr Bildung auch für Nichtadlige an. Erste Einrichtungen, die später zur Universität zu Parlamon werden sollten, wurden im Stadtgebiet gegründet.
Politische Veränderungen
In den Fünfzigern schließlich verwirklichte die Bürgerschaft ihren lang gehegten Wunsch nach Unabhängigkeit vom König. Nach Unruhen in der Stadt, die von den parlamonischen Truppen nicht niedergeschlagen, sondern unterstütz wurde, war Alfried von Wehseland gezwungen, den Forderungen der reichen Städter und Städerinnen nachzukommen. Neben zahlreichen Erleichterungen, was Kriegsbeiträge und Steuerzahlungen anging, war die völlige Selbstverwaltung eine Auflage. In den Verhandlungen wurde sich darauf geeinigt, dass der Rat der Freien über die Belange der Stadt entscheiden würde. Nach Abschluss der Verhandlungen wurde sich auch auf ein neues Stadtwappen geeinigt, auf dem 16 Schwerter stellvertretend für die 16 Ratsherren und -herrinnen abgebildet sind. Außerdem wurde der Beiname ‚‘Die Unbherrschbare’‘ für Parlamon immer populärer.
Trotz der politischen Unabhängigkeit gewährten sie dem König und seinen Beratern und Beraterinnen weiterhin die Residenz innerhalb der Mauern. Lediglich die Anzahl der persönlichen Leibgarde, die dieser mitführen durfte, wurde begrenzt. Zu den Herzogtümern entsandte die Stadt kleine Delegationen, die einen innerpolitischen Austausch bewirken sollten.
In diese Zeit fiel auch die Modernisierung des Thinghofes, der noch sehr stark an die Festung der frühesten Tage der Stadt inne hatte. Es wurden Räumlichkeiten für die Ratsherren und -herrinnen geschaffen, Schreibstuben eingerichtet und Wohnstätten geschaffen.
Als 53 nGW mit Elmar von Wehseland abermals ein Silbersteiner auf dem Thron des Wehselandes saß, entflammten zum dritten Mal Grenzkonflikte zwischen dem Herzogtum und den Ländereien der Hauptstadt. Diesmal blieb es jedoch nicht bei den bisher üblichen Fehdehandlungen wie Brandschatzung und Viehdiebstahl. Zwei kleinere Schlachten am Nell und auf den Hügeln der Petragenten führten zu großer Sorge um den Zusammenhalt des Königreiches. Eine Mediation durch die Herzoge von Aldenburg, Blômetal und Klingenfurth konnte die Situation lösen. Der Besitz der Vorgebirgsgebiete wurde Parlamon zugesprochen, aber die Lehenspflicht an die beiden silbersteiner Grafschaften blieb bestehen.
Abermaliger Wachstumsschub
Mit der Fertigstellung des Hauses der Götter im Jahre 65 nGW war Parlamon abermals über die von der Stadtmauer eingeschlossenen Gebiete hinausgewachsen. Die Baumeisterin Balthechildis von Ostermark, eine renommierte Festungsbauerin in Klingenfurth, wurde mit der Überarbeitung der Stadtverteidigung betraut. Nach einer Begehung der Stadt und einem Kostenvoranschlag für einen kompletten Ringwall wurde sie damit betraut, in Zusammenarbeit mit den lokalen Baumeistern und -meisterinnen Alternativen zu präsentieren. Am Ende entschied sich der Stadtrat für den Bau vorgelagerter Verteidigungsanlagen und einzelner Befestigungen statt einer umfassenden Stadtmauer. Einige der äußeren Bezirke entschieden zudem, selbst in die eigene Verteidigung zu investieren. In Absprache mit Balthechildis entstanden so kleinere Burgen und befestigte Höfe, die die Verteidigung verstärkten.
Nach diesem Wachstumsschub verzeichnete Parlamon abseits einiger Handelsniederlassungen aus Übersee keine größeren Zuzüge mehr. Die Stadt hatte sich als die große Metropole des Wehselandes bewiesen und nahezu jedes Handwerk des Königreichs war auch hier vertreten. Wesen aller Art nannten Parlamon ihre Heimat.