Hierarchion
Ein Hierarchion (Pl. Hierarchien), auch Sprengel, ist ein der Herrschaftsbereich klerikaler Fürsten und Fürstinnen, der Hierarchen und Hierarchinnen. Im Herzogtum Klingenfurth werden sie als Tempelprovinzen oder Glaubensdomänen bezeichnet. Die Bezeichnung Hierarchion geht auf hieros (heilig) und archion (Herrschaft) zurück. Die Ausdrücke Provinz, von provincia (Amtsbereich) bzw. Domäne, von dominium (Herrschaft), hingegen verweisen auf deren militärische Aufgaben, die sie im Osten verstärkt wahrnehmen.
Zusammensetzung und Aufgaben
Hierarchien als Grundordnung des Klerus existierten bereits in der alten Heimat, waren dort jedoch wesentlich strikter organisiert und hatten stärkere militärische Macht. Im Laufe der großen Wanderung entschieden sich die mitgereisten Kleriker und Klerikerinnen zu einer gründlichen Neuorganisation. Die Hierarchien sollten vor allem eine geistliche Verwaltungseinheit, kein weltliches Fürstentum sein. Mit diesem Vorschlag stießen sie bei den mitgereisten Fürsten und Fürstinnen auf großes Wohlwollen.
Der genaue Aufbau der Infrastruktur eines Hierarchions ist ein Zusammenspiel zwischen den verschiedenen klerikalen Rechtsordnungen und den lokalen Gegebenheiten. Diese variieren teils erheblich. Während es in Parlamon 6 Hierarchien gibt, die sich über ihre Zuständigkeiten nicht selten uneinig sind, besteht zwischen den 4 Hierarchien in Aldenburg große Eintracht.
Alle Hierarchien haben einen Haupttempel und mehrere Nebentempel, wobei Tempel nicht im Sinne des Gebäudes sondern der Institution zu verstehen ist. In einigen Fällen sind die Hierarchien nach diesen benannt, häufiger jedoch nach den Ortschaften, in denen die Tempel liegen. Die Haupttempel sind in fast allen Fällen auch der Sitz der jeweiligen Tempelkapitel, die den Hierarchen oder die Hierarchin in ihren Aufgaben unterstützen.
Die Hierarchien sind dafür zuständig, den Glauben im Wehseland aufrechtzuerhalten. Dabei ist unerheblich, welcher Gottheit der jeweilige
ist im jeweiligen klerikalen Recht der Region festgehalten, zu welchen Angelegenheiten er in Kenntnis gesetzt, befragt oder um Zustimmung gebeten werden muss. Das Gremium besteht aus dem Hegemon oder der Hegemonin und dem oder der Primoris. Diesen beiden obliegt die Organisation des Gremiums. Die Hegemone und Hegemoninnen tragen die rechtliche Verantwortung und sind mit der Umsetzung der Beschlüsse betraut, während die Primoris die internen Abläufe regeln. Neben diesen Ämtern können ein oder mehrere Custodios (Sg. Custodius und Custodia), die mit militärischen Aufgaben betraut werden, ein oder mehrere Didaktos (Sg. Didaktus und Didakta), die für die religiöse Lehre verantwortlich sind, ein oder mehrere Hymnodios (Sg. Hymnodius und Hymnodia), die in liturgischen Fragen besonders bewandert sind, und ein Thesaurion oder eine Thesauria, der oder die den Tempelschatz verwaltet, angehören. Es werden in vielen Tempeln mindestens so viele weitere Ordinarien gewählt, dass die Amtsinhaber nicht die Mehrheit innehaben.
Die zentrale tempelinterne Aufgabe des Tempelkapitels besteht darin, einen neuen Hierarchen oder eine neue Hierarchin zu wählen, sobald der Posten vakant ist. Außerdem muss das Kapitel zustimmen, wenn neue Kapitelämter auf Vorschlag des Hierarchen oder der Hierarchin besetzt werden. Ansonsten wird vom Kapitel vor allem ein tadelloses Leben nach den Werten und Tugenden der jeweils verehrten Gottheiten erwartet. Im Fall von Gotteshäusern, die mehr als einer Gottheit gewidmet sind, wird bei der Besetzung der Ämter außerdem immer proportionaler Anteil der verschiedenen Kleriker und Klerikerinnen gewählt.
Wehseländische Hierarchien
Hierarchion Schœnblick
Hierarchion Friedensschrein
Hierarchion Bredom
Hierarchion Hülfhaus
Hierarchion Birsberg
Hierarchion Greenbach
Hierarchion Nordparlamon
Hierarchion Sülphen
Hierarchion Meddeln
Hierarchion Lewasforst
Hierarchion Westerhain
Hierarchion Haus der Götter
Hierarchion Uffer
Hierarchion Weerhain
Hierarchion Geramshain
Hierarchion Südschrein
Hierarchion Dempeln
Hierarchion Huldburg
Hierarchion Warristembel
Hierarchion Seelbrunn
Hierarchion Glisserach
Hierarchion Osserbaum
Hierarchion Wenberg
Hierarchion Suderhud
Hierarchion Ummerhain
Hierarchion Haus der Zuflucht
Hierarchion Velden
Hierarchion Simmer
Hierarchion Vesis Wacht
D
Die Tempelkapitel stellen einen entscheidenden Fortschritt gegenüber den strikten Hohepriestern und Hohepriesterinnen dar, die in der alten Heimat religiös-politische Herrschaft ausübten. Die Hierarchen und Hierarchinnen drängen zwar auch stets darauf, mehr Macht innerhalb ihrer jeweiligen Hierarchien anzuhäufen und nutzen dabei nicht selten Geld, Einfluss an den adligen Höfen und Versprechen lukrativer Posten im Kapitel, aber die Kapitel selbst sind auch nicht untätig.
Für die Infrastruktur des Reiches sind die Tempelkapitel als Leitung der Hierarchien unablässlich. Lediglich durch diese zentralen Knotenpunkte lässt sich das im ständigen Wandel befindliche Netz von Klöstern, Schreinen, Kapellen, Hainen, Tempeln, Stiften und weiteren Institutionen überblicken. Die Tempelkapitel stehen im kontinuierlichen Austausch mit dem König und unterstützen unter anderem dessen Schreibstube durch die Absendung der besten Schreiber und Schreiberinnen.
Innerhalb des Glaubens hat die Einführung der Hierarchien und Tempelkapitel dazu geführt, dass viele Glaubensinhalte in gegenseitige Kontexte gestellt hat. Hatte die große Wanderung grundsätzlich ermöglicht, den gemeinsamen Glauben zu schärfen, so tat der Aufbau der klerikalen Institutionen sein übriges. Gerade die ersten Konzile der wenigen Kleriker und Klerikerinnen zu Beginn der wehseländischen Geschichtsschreibung waren wegweisend. Nach wie vor gibt es zentrale Dissense zwischen den Anhängerschaften der verschiedenen Götter und Göttinnen. Doch zumindest besteht ein Austausch und der Versuch, diese Widersprüche zu dokumentieren. Es gibt darüber hinaus nicht wenige Ansätze, über diese hinauszuwachsen.
Politische Bedeutung
Innerhalb des Wehselandes existieren im Jahre 80 nGW 19 verschiedene Hierarchien. Deren weltliche Besitztümer sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Während sich in Klingenfurth eigene Waffenfähige als unabweislich erwiesen haben, ist dies in Blômetal eher unüblich. Dennoch hat auch dort der Klerus nicht unerheblichen Landbesitz. Über die jeweiligen weltlichen Besitztümer hinaus nehmen die Hierarchien jedoch auch über die Kleriker und Klerikerinnen in den Herzogtümern Einfluss auf die dortige Bevölkerung. Die Ausbildung und Lehrinhalte der Priester und Priesterinnen geht zwar nicht zwingend direkt vom Hierarchion aus, aber dessen liturgische Kursvorgabe steuert die Ausrichtung der jeweiligen lokalen Kulte langfristig.
Das ist der politische Einfluss, der von den Hierarchien ausgeht. Diese umfassen neben dem Haupttempel noch weitere Gotteshäuser, deren Kleriker und Klerikerinnen auch Einfluss nehmen. Dennoch ist das Tempelkapitel aufgrund seiner zentralen Stellung in erheblichem Maße für die auch politischen Standpunkte des Hierarchions verantwortlich. Im Kapitel kondensieren die verschiedenen Aufgaben, die dem Klerus überantwortet wurden.
Selbst in den Gebieten, in denen das klerikale Recht politische Handlungsspielräume für Kapitel wie Hierarch oder Hierarchin verbietet, erfolgt eine abgeschwächte politische Positionierung. Einerseits, weil sich die politischen Fragen des Reiches in der weltlichen Herrschaft in den Gütern und Höfen des Klerus zeigen. Andererseits, weil sie in ihrer beratend-seelsorgerischen Verantwortung dem Adel gegenüber Meinungen formulieren müssen.